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Bedeutende Heidelberger Rhenanen 1802 - 2002

Zahlreiche Träger des blau-weiß-roten Rhenanenbandes haben in öffentlichen Leben eine herausragende Stellung eingenommen - in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kultur. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt einen kleinen repäsentativen Querschnitt ohne Anspruch auf Vollständigkeit. 

Albert Ahn - Verleger u. Industrieller, Vorstandsmitglied des Vereins Deutscher Zeitungsverleger u. des Arbeitgeberverbandes für das Deutsche Zeitungsgewerbe
* Köln 28.1.1867 - † Lugano 8.7.1935

Volksschule und das Gymnasium in Köln, stud. jur in Heidelberg, München u. Bonn, Dr. jur. (Leipzig) - Verleger in Köln, Inhaber des Verlages Albert Ahn (Bonn) und des A. Marcus & E. Webers Verlags (Berlin/Köln), Vorstandsmitglied des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln e.V. und des Verbandes Rheinischer Industrieller; Vorsitzender des Aufsichtsrats der Aktiengesellschaft für chemische Industrie (Gelsenkirchen-Schalke) und der Walther & Cie. AG (Köln-Dellbrück); stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der Adler-Brauerei AH (Köln-Ehrenfeld); Mitglied des Aufsichtsrates der Concordia Le-bensversicherungs-Bank AG (Köln), der Hirschbrauerei AG (Köln), der Kölner Verlagsan-stalt und Druckerei-AG (Köln), der Köln. Rückversicherungsgesellschaft (Köln), der Kur-fürstenbad Godesberg AG (Godesberg), der Patria Allgemeine Lebensversicherungs AG (Budapest), der Rheinischen Wasserwerks-Gesellschaft (Köln), der Rheinisch-Westfälischen „Revision" Treuhand AG (Köln) und der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft „Victoria" (Berlin), Mitbegründer und Aufsichtsratsmitglied der Kautschuk-Plantage „Meanja" A. G. in Kamerun - Vorsitzender des Vereins Rheinischer Zeitungsverleger, des Arbeitgeberverbandes für das Deutsche Zeitungsgewerbe Landesverband Rhein-land, der Bezirksarbeitsgemeinschaft der Rheinischen Presse, des Verwaltungsrates der Versorgungsanstalt der Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse GmbH (Berlin); Mitglied des Vorstandes des Vereins Deutscher Zeitungsverleger (Berlin), des Arbeitgeber-verbandes für das Deutsche Zeitungsgewerbe (Berlin) - Geh. Justizrat, 1913 K. Preuß. Kommerzienrat - Dr. phil. h.c. der Universität Köln (1928)

Paul Bertololy - dt.-frz. Schriftsteller,
* Frankenthal 12.2.1892 - † Lembach, Elsaß 28.11.1972

stammt aus einer elsässischen Familie französischer Herkunft, studierte Medizin in Heidel-berg, Straßburg und Freiburg (1919 Dr. med.) und ließ sich als Landarzt in Lembach/Elsaß nieder. B. verfaßte mehrere Romane, Novellen etc., die im Paul List Verlag (München), bei der Pfälzischen Verlagsanstalt (Neustadt/Wstr.), im Hohenstaufen-Verlag (Bodmann) und im Verlag Alsatia (Freiburg) erschienen sind, u.a. Eine Frau geht vorbei (Romane, 1931); Dora Holdenrieth (Roman, 1933); Vision der Gotik (Roman, 1936); Liebe (Roman, 1942); Die Verfemten (Novellen, 1947); Passion (Novellen, 1947); Aphorismen (1948); Die Tat des Emil Thoman (Roman, 1949); Die Lausbuben (Romane, 1952); Im Angesicht des Mernschen (Roman, 1956); Die Herzogin (Novellen, 1958); Heimkehr (Novellen, 1960); Alt-Heidelberg - ewiger Studententraum (Novelle, 1962), Die Kreuzfahrt des Ritters vom Wasigenstein (Roman, 1973); Der Venuswagen des Dr. Raley (Roman 1984); Die Katze, die Frau und der Mörder (Hörspiel, 1978); Maiana oder die lachende Verdamnnis (1963/64, Satire); Der Schrei aus der Nacht (Kriminalnovellen); insgesamt über 50 Novellen, Kurzgeschichten und Hörspiele. B. war Träger mehrerer Literaturpreise und anderer Auszeichnungen; u.a. Oberrheinischer Kulturpreis (1969), René-Schickerle-Preis (1973); Ehrenbürger der Gemeinde Lembach.

Ferdinand L. C. Freiherr v. Biedenfeld - Belletrist und Dramturg, Theaterdirektor in Breslau und Magdeburg * Karlsruhe 5.5.1788 - † Ebd. 8.3.1862

stud. jur. in Heidelberg und Freiburg, war ab 1811 beim Landgericht in Karlsruhe, 1813 im badischen Innenministerium beschäftigt, nahm aber wegen seiner Verheiratung mit der damals bekannten Sängerin Bonasegla-Schüler seinen Abschied aus dem Staats-dienst und führte mehrere Jahre lang ein Wanderdasein; ab 1818 in Wien, 1824 Sekretär der Königsstädter Bühne in Berlin, 1826 Theaterdirektor in Magdeburg, lebte dann zeitweise in Hannover, Hamburg, Berlin und Stettin, 1830 Direktor des Theaters in Breslau, ging 1834 nach Leipzig, 1835 nach Weimar, wo er als Belletrist, Übersetzer und Dramaturg und als Herausgeber der Zeitschrift „Der Elegante" arbeitete. - Kam-merherr.
Eigene Veröffentlichungen: u.a. Unterhaltungen für müßige Stunden (2 Bde., 1815); Wiesenblumen (Er-zählung, 1818); Der Ball nach der Mode (Lustspiel, 1818); Mohnblüten (Erzählung, 2 Bde., 1820f.); Der Liebe Wirken (Trauerspiel, 1821); Ludwig XI. letzte Tage (Drama, 1835); Sagen, Märchen usw. (4 Bde., 1836); Erzählungen (1837); Mönchs- und Klosterfrauen-Orden (1839); Die gepriesene Glückseligkeit unserer dermaligen Zustände in Deutschland (1848).

Friedrich Landolin Karl Reichsfrhr. v. Blittersdorf - Staatsmann, Badischer Staatsminister des Großherzoglichen Hauses und des Äußern
* Mahlberg, Breisgau 14.2.1792 - † Frankfurt a. M. 16.4.1861

Gymnasium in Karlsruhe, stud. jur. in Heidelberg und Freiburg; schlug zunächst die diploma-tische Laufbahn ein, 1813 bei der badischen Gesandtschaft in Stuttgart, führte 1818 die Ver-handlungen mit Metternich über die badische Territorial- und Erbfolgefrage, wurde dann Großhzgl. Bad. Geschäftsträger in St. Petersburg und 1821-35 bad. Bundestagsgesandter. 1835 wurde B. zum Staatsminister des Großherzoglichen Hauses und des Äußern ernannt. Als Bewunderer Metternichs brachte er durch seinen konservativ-reaktionären Kurs die libe-rale Zweite Kammer gegen sich auf, deren Auflösung er nach längerem Konflikt 1841 durch-setzte. Wegen Differenzen mit der Staatsführung des Großherzogs Leopold nahm er 1843 seinen Abschied und wurde bis 1848 wieder Gesandter beim Bundestag, ab 1844 auch beim belgischen und niederländischen Hof. Seine Amtszeit führte zu einer Reorganisation der Op-position der liberalen Beamten und legte die Grundlage für die revolutionäre Gärung, die 1848 offen zum Ausbruch kam. 1848 in den Ruhestand versetzt.

Friedrich Dernburg - Publizist und Politiker, Mitglied des Reichstages
* Mainz 3.10.1833 - † Berlin 3.11.1911

D. stammte aus einer bekannten jüdischen Gelehrtenfamilie in Hessen, besuchte das Gymnasium in Darmstadt, studierte in Gießen und Heidelberg Rechtswissenschaften und wurde Hofgerichtsadvokat in Darmstadt; war später Publizist und Schriftsteller, Redakteur der Main-Zeitung, 1871-90 Chefredakteur der „Nationalzeitung" in Berlin, 1894 Feuilletonredakteur beim „Berliner Tageblatt", galt als „glänzender Feuilletonist" und „einer der gehaltvollsten Tagesschriftsteller" (S. Wininger). D. war auch politisch engagiert, 1866-1875 Mitglied des hessischen Landtages und Führer der Fortschrittspartei in Hessen, 1871 bis Okt. 1881 Mit-glied des Reichstages (WK 5 Hessen) für die Nationalliberale Partei, später fraktionslos; er war eng befreundet mit dem Führer der nationalliberalen Partei Ludwig Bamberger und be-gleitete Kronprinz Friedrich v. Preußen (Kaiser Friedrich III) auf Reisen nach Spanien und Italien.
Eigene Veröffentlichungen u.a.: Des Deutschen Kronprinzen Reise nach Spanien und Rom (1884); Spanische Bilder (1884); Berliner Geschichten (1885); Russische Leute (1885); Die Parlamentarier (Schauspiel, 1886); Der Oberstolze (Roman, 2. Bde., 1889); Der Fidibus; Auf deutscher Bahn in Kleinasien (1892); Aus der weißen Stadt. Spaziergänge in der Chikagoer Weltausstellung (1893); In den Fesseln der Schuld (Roman, 2 Bde., 1894); Ein Berliner auf Helgoland (Roman, 1894); Novellen (1894).

Emil August Freiherr v. Dungern - Hzgl. Nassauischer Staatsminister und Bundestagsgesandter
* Weilburg 29.10.1802 -  †Frankfurt a. M. 3.8.1862

Gymnasium in Weilburg, stud. jur. in Heidelberg und Göttingen - 1832 landesherrlicher Kommissar, 1840 Direktor der Ministerialkanzlei, 1842 Geh. Rat, 1844 Staatsminister (höchstes Staatsamt des Herzogtums Nassau). v. D. tolerierte liberale Tendenzen der Opposition und förderte die Anträge der Abgeordnetenkammer bez. Handel und Ge-werbe, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung pp., Eisenbahnbau, Schul- und Medi-zinalwesen. 1852 Bundestagsgesandter für Nassau und Braunschweig, Hzgl. Nass. Kammerherr.
Lit.: Nassauische Biographie, S. 153 - Margarete A. Kramer: Die Politik des Staatsministers Emil August v. Dungern im Herzogtum Nassau (Stuttgart 1991).

Adolf Ernst v. Ernsthausen - Oberpräsident von Westpreußen, Ehrenbürger von Danzig und Elbing, * Gummersbach 14.3.1827 - † Bonn 15.8.1894

stud. jur. in Heidelberg und Bonn, 1852-54 Landrat in Simmern, 1854-57 in Geldern, 1857-65 in Mörs, 1865 kommissarischer Bürgermeister in Königsberg i. Pr., 1870 Re-gierungspräsident in Trier, 18.1.1871 Teilnehmer an der Kaiserproklamation von Versailles, 1871-1875 Präfekt in Straßburg, 1875-79 Bezirkspräsident in Colmar, Wirkl. Geh. Rat, Excellenz, 1879 Oberpräsident von Westpreußen, 1888 i. R. - 1888 Ehren-bürger von Danzig und Elbing, 1892-1894 Vorstandsmitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft - 1865 Mitglied d. Preuß. Abgeordnetenhauses (Kreis Mörs) für die Konservative Fraktion.

Eberhard v. Groote - Germanist, Kunsthistoriker, bed. Vertreter der rheinischen Ro-mantik
* Köln 19.3.1789 -† Ebd. 15.4.1864

Herr auf Immendorf, Hermülheim, Kitzburg und Grimlingshausen, stud. jur. et phil. in Hei-delberg, nahm als freiwilliger Offizier im 3. preuß. Armeekorps an den Befreiungskriegen teil und zog als Adjutant des preußischen Kronprinzen (später König Friedrich Wilhelm IV.) nach Paris ein; war maßgeblich an der Rückführung der von den Franzosen geraubten Kunst- und wissenschaftlichen Schätze nach Deutschland und an der Rückgabe an die früheren Besitzer beteiligt - 1816 Assessor in Köln, dort auch weitere germanistische Studien, verließ 1827 den Staatsdienst, um sich ganz der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können - 1831-51 Präsi-dent der städtischen Armenverwaltung - Dr. phil., Stadtrat in Köln, Vorsitzender und 1855 Ehrenmitglied des Kölner Dombauvereins.
Eigene Veröffentlichungen u.a.: Jahrbuch für Freunde altdeutscher Zeit und Kunst (Hrsg., 1816); Tristan des Gottfried von Straßburg (Hrsg., 1821); Gottfried Hagen´s Reimchronik der Stadt Köln (1834); Das Waisenhaus zu Köln am Rhein (1835); Lieder Muskatblüts (1852); Wierstraat´s Reimchronik der Stadt Neuß (1853); Pilger-fahrt des Ritters Arnold von Harff durch Italien, Syrien, Ägypten, Arabien etc. (1860).

Horst Habs - Mediziner, Professor für Hygiene in Bonn
* Magdeburg 11.9.1902 - † Bonn 6.3.1987

stud. med. in Heidelberg, Greifwald, Freiburg, Kiel und Würzburg, 1925 Staatsexamen, 1926 Dr. med., Assietent in Kiel, 1928 in Heidelberg, 1931 habil in Heidelberg, Privat-dozent für Hygiene und Bakteriologie, 1936 außerordentlicher Professor, ord. Professor für Hygiene an der Universität Bonn - 1958 korresp. Mitglied der Heidelberger Aka-demie der Wissenschaften u. der Leopoldina; Vorsitzender der Gesellschaft f. Hygiene und Mikrobiologie.

Eckart Hachfeld - Schriftsteller, Dichter, Kabarettist und Drehbuchautor
* Mörchingen/Lothr. 9.10.1910 - † Berlin 5.11.1994

stud. jur. in Heidelberg, Leipzig, Kiel und Marburg, 1934 Referendar, 1935 Dr. jur. (Mar-burg), Volontär und später Anzeigen- und Werbeleiter im Verlag Julius Waldkirch in Ludwigshafen, 1936 bei den Chemischen Fabriken Knoll A.G. in Ludwigshafen, Direktionssekretär - nach dem Zweiten Weltkrieg freiberuflicher Funk- und Fernsehschaffender in Hamburg, Berlin und München; langjähriger Mitarbeiter und Kolumnist für die WELT und den STERN („Amadeus geht durchs Land"), Drehbuchautor u.a. für Filme mit Heinz Rühmann („Wenn der Vater mit dem Sohne", „Der Pauker"), Heinz Erhardt („Der letzte Fußgänger", „Was ist denn bloß mit Willy los?"), Liselotte Pulver („Kohlhiesels Töchter") und Peter Alexander; schrieb mehrere Fernsehspiele (u.a. „Der brave Soldat Schwejk", 13 Folgen); zahlreiche Arbeiten für das Kabarett: 1953-78 Hausautor für das Düsseldorfer „Kom(m)ödchen"; auch Texter für das GRIPS-Theater, für Dieter Hildebrand („Scheibenwischer"), für Lore Lorentz und Wolfgang Neuss; Liedtexter u.a. für Udo Jürgens („Aber bitte mit Sahne", „Zeig mir den Platz an der Sonne", „Lieb Vaterland", „Als die Musik erklang", „Der Zirkus darf nicht sterben", „Tante Emma" u.a.); Texter des Musicals „Helden, Helden" nach G. B. Shaw (Musik Udo Jürgens). - Eigene Veröffentlichungen: u.a. Amadeus geht durchs Land (1957/63); Die ganze Wahrheit über die Ehe (1965); Kuckucks-Eier (1967); Bienen-Stiche (1967); Museum der deutschen Seele (1968); Der Struwwelpeter neu frisiert: oder eine lustige Geschichte und dolle Bilder für Bürger bis 100 Jahre (1969); Das GRIPS-Liederbuch (mit Volker Ludwig u. Birger Heymann, 1978); Amadeus´ Weltgeschichte (3 Teile, 1980); Die deutsche Seele (1988).

Friedrich Hecker - Revolutionär, * Eichtersheim 23.9.1811 - † St. Louis 24.3.1881

1830-34 stud. jur. in Heidelberg, Dr. jur., anfangs im Staatsdienst, 1838 Advokat am Oberhofgericht in Mannheim, ab 1842 Mitglied der II. Badischen Kammer und dort einer der wichtigsten Führer der liberalen Opposition. Ursprünglich entschieden liberal gesinnt, wandelte er sich unter dem Einfluß Gustav Struves 1848/49 zum radikalen De-mokraten und forderte auf Volksversammlungen in Offenburg, Freiburg und Heidelberg erstmals die Einführung der republikanischen Staatsform. H. war Mitglied des Frankfur-ter Vorparlaments, das er mit der radikalen Minderheit verließ, als die Mehrheit mit den Fürsten Verhandlungen über die künftige Reichsverfassung aufnahm. Nach der Rückkehr aus Frankfurt begann er in Mannheim mit der Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes und berief die waffenfähigen Männer Badens im April 1848 nach Donaueschingen ein. Höhepunkt war die Ausrufung der deutschen Republik in Konstanz durch H. Das Unternehmen scheiterte kläglich, bei Kandern wurden die wenigen Freischärler am 20.4.1848 von regulären Truppen unter General Friedrich v. Gagern versprengt. H. flüchtete in die Schweiz und emigrierte im September 1848 in die Vereinigten Staaten, wo er als Farmer in Belleville, Illinois lebte. Am Sezessionskrieg nahm er als Offizier auf der Seite der Union teil; machte sich auch um die deutsche Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten verdient.

Karl v. Heyden - Naturforscher und Politiker, regierender Bürgermeister von Frankfurt a. M.
* Frankfurt a. M. 20.1.1793 - † Ebd. 7.1.1866

stud. forest. an der Forstakademie Dreißigacker bei Meiningen, später in Heidelberg, nahm 1813 als Freiwilliger an den Befreiungskriegen teil und trat danach als Offizier in das Frankfurter Linienbataillon ein, 1827 zum Senator und Deputierten beim Kriegs-zeugamt und Forstamt gewählt, 1836, 1845, 1848, 1850 und 1852 regierender Bürger-meister in Frankfurt a. M. - Naturforscher und Sammler, Entomolge, Mitbegründer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Mitbegründer der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, des Physikalischen Vereins, des Geographischen Vereins und des Mikroskopischen Vereins in Frankfurt - Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher Vereine im In- und Ausland, 1861 Dr. phil. h.c. der Universität Gießen - Nach H. wurden drei Gattungen und 33 Arten von Tieren benannt.

Anton Freiherr v. Hirschberg - Bayer. Generalskekretär im Ministerium des Äußeren, Vorstand des Bay. Geh. Haus- und Staatsarchivs
* Ingolstadt 3.8.1853 - † Au/Freising 9.6.1924

stud. jur. in München und Heidelberg - Eintritt in den Justizdienst, 1880 im K. Bayer. Außenmninisterium, Legationssekretär, 1887 Legationsrat, 1892 Geh. Legationsrat, 1898 Ministerialrat, 1904 K. Bay. Bevollmächtigter zur Zentralkommission für die Rheinschiffahrt, 1907 Vorstand des K. Bay. Geh. Haus- und Staatsarchivs, 1909 Gene-ralsekretär des Ministeriums des Äußern, 1910 K. Geh. Rat. - seit 1887 K. Bayer. Kämmerer - Exzellenz - Ritter des Verdienstordens der Bayerischen Krone, Dr. jur. h.c.

Adolf Irtl - österr. Mediziner u. Funktionär, Hofoberstabsarzt Kaiser Karls I. v. Österreich
* Hermannstadt/Siebenbürgen 31.1.1867 - † Wien 26.5.1947

stud. med. in Graz, Heidelberg und Wien, 1891 Dr. med., bis 1896 Sekundärarzt und As-sistent an den Wiener Universitätskliniken, 1897 im griechisch-türkischen Krieg Dele-gierter des österreichischen Roten Kreuzes und Leiter des türkischen Militärhospitals, anschließend praktischer Arzt in Wien, 1901 Arzt an der Hofoper, 1905 Burgtheater- und Hofarzt, 1919 Hofrat am Ministerium für soziale Verwaltung, 1925 pensioniert, weiterhin Burgtheater- und praktischer Arzt - Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Ärzte und der Gesellschaft für Erforschung der Krebskrankheit - Altobmann und Eh-renmitglied des Vereins Siebenbürger Sachsen in Wien - war während des Ersten Welt-krieges Hofoberstabsarzt bei Erzherzog/Kaiser Karl I. von Österreich für Reisen an die Front - Gründer und Ehrenvorsitzender des Bezirksverbandes Alter Corpsstudenhten für Wien und Umgebung, 1908 Vorsitzender des Bezirksverbandes Deutscher Corps-studenten in Österreich-Ungarn, 1927 dessen Ehrenvorsitzender.

Alfred Kast - Mediziner, Professor an der Universität Breslau
* Illenau b. Achern/Baden 25.7.1856 -†  Nizza 6.1.1903

stud. med. in Freiburg, Heidelberg und Leipzig, 1879 Dr. med., 1883 habil. (Freiburg), 1886 a.o. Prof. in Freiburg, 1888 Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Ham-burg, Geh. Medizinalrat, ord. Professor und Direktor der Kgl. medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universität Breslau - machte sich u.a. verdient um die Einführung des Sulfonals als Schlafmittel in die ärztliche Therapie, Arbeiten auf dem Gebiet der physiologischen Chemie

Friedrich Wilhelm Knöbel - liberaler Publizist, Teilnehmer am Hambacher Fest
* Kirchheimbolanden 3.3.1820 - † Biel/Schweiz 8.11.1871

Gymnasium u. Lzyeum in Speyer, stud. theol. et phil. in Heidelberg und Erlangen, 1823 relegiert - Privatlehrer in Mannheim, 1824 Prüfung als Predigtamtskandidat, ab 1825 wieder an der Universität Heidelberg, 1826 Vorbereitungslehrer in Dürkheim - 1832 Teilnehmer am Hambacher Fest. K. nahm als führender Vertreter der liberalen Bewe-gung in der Pfalz am 22.7.1832 als pfälzischer Deputierter an der Konstituierung des neuen Zentralkommitees des Preß- und Vaterlandsvereins in Frankfurt teil.,wurde we-gen einer Protestation aus dem Staatsdienst entlassen und floh nach dem Mißlingen des Frankfurter Attentats (11.4.1833) nach Basel und Zürich; Lehrer an der Stadtschule in Murten, 1833 vorübergehende Rückkehr in die Pfalz, 1834 Oberlehrer an der Bezirks-schule in Knonau (Kt. Zürich), 1835 in Reinach im Aargau, 1842 in Lenzburg, 1842-48 Lehrer u. Rektor an der Bezirksschule in Zofingen, 27.11.1847 Hauptlehrer und Rektor der Bezirksschule in Schöftland, 1860 pensioniert - Übersiedlung nach Biel, Herausgeber des „Bieler Kuriers".

Herbert Krüger - Rechtswissenschaftler, Prof. für Öffentl. Recht an den Universitäten Heidelberg, Straßburg und Hamburg, * Krefeld 14.12.1905 -† Hamburg 25.4.1989

stud. jur. in Köln, Heidelberg und Berlin, 1933 Dr. jur., 1928 Referendarexamen, 1932 Assessorexamen - 1936 habil. an der Universität Heidelberg, 1937 außerordentlicher Professor für öffentliches Recht, Reichsbeirat der Universität, Mitglied des Senats, 1943/44 Professor in Straßburg, nach dem Krieg zunächst Rechtsanwalt in Frankfurt a. M., 1950 Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Reeder in Hamburg, 1954 or-dentlicher Professor für Öffentliches Recht an der Universität Hamburg, Direktor der Forschungsstelle für Völkerrecht (später Institut für Internationale Angelegenheiten der Universität Hamburg), 1971 emeritiert - befaßte sich besonders mit dem Verfassungs-recht der Dritten Welt, Vorsitzender des Arbeitskreises „Überseeische Verfassungsver-gleiche"
Eigene Veröffentlichungen: Allgemeine Staatslehre (1964-66); Staat, Wirtschaft, Völkergemeinschaft. Ausgewählte Schriften (hrsg. v. Hellmuth Hecker, Knud Krakau u. Thomas Oppermann), Frankfurt a. M. 1970

Wilhelm Küchler - Hess. Finanzminister, Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Worms
* Biedenkopf 4.9.1846 - † Darmstadt 2.11.1900

Gymnasium in Darmstadt, stud. jur. in Heidelberg und Gießen - 1877 Regierungsas-sessor, 1882 Bürgermeister von Worms, 1888 Oberbürgermeister, 1894 auf Lebenszeit wiedergewählt. In seiner Amtszeit wurden umfangreiche städtebauliche Maßnahmen und wichtige Verkehrsprojekte in Angriff genommen, u.a. Umbau des Stadthauses (1883-85), Neubau des Krankenhauses an der Mainzer Straße (1888), städt. Gas- und Wasserwerk (1889), Spiel- und Festhaus (1889), Kanalisationssystem, Handelshafen, Rheinregulierung mit Hochwasserschutz (1890-93), neue Schulgebäude und Bahnver-bindungen ins Umland. - K. wurde 1898 von Großherzog Ernst Ludwig zum Präsiden-ten des Großherzoglich-Hessischen Finanzministeriums bzw. Hess. Finanzminister berufen, als der er sich mit dem Vollzug der großen hessischen Steuereform einen Namen machte (Einführung der Einkommens- und Vermögenssteuer), 1900 a. D., Exzellenz, war auch stellv. Bevollmächtigter im Bundesrat für das Großherzogtum Hessen - gilt noch heute als der bedeutendste Wormser Oberbürgermeister, 5.7.1898 Ehrenbürger von Worms „wegen seiner großen Verdienste um das Wohl der Stadt", „Küchlerhaus", Küchlerstraße und Küchlerdenkmal in Worms.

Ludwig Mond - dt.-brit. Industrieller, Kunstsammler und Mäzen
* Kassel 7.3.1839 -†  London 12.12.1909

aufgewachsen als Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie, besuchte die Polytechnische Schule in Kassel, stud. chem in Marburg und Heidelberg (u.a. bei Kolbe und Bunsen) - M. ließ sich 1862 in Widnes (England) nieder, wo in einer Fabrik Soda nach dem Leblancverfahren hergestellt wurde und leitete 1862-64 den Bau einer Soda-fabrik in Utrecht. Nach dem Erwerb einer Lizenz zur Gewinnung von Soda nach dem neu entwickelten Solvay´schen Verfahren zur Sodaherstellung 1873 mit J. T. Brunner Gründung der Brunner Mond Comp. in Winnington, Northwich, Cheshire, 1881 Brunner-Mond AG, Mond wurde technischer Leiter; war zuletzt Generaldirektor und Fabrikbesitzer in London (größte Sodafabrik der Welt, Vorläufer der späteren Imperial Chemical Industries/ICI) - Dr. h.c. der Universitäten Padua (1892) und Heidelberg (1896) - Vizepräsident der Chemical Society in London, Ehrenmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft, Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Academia dei Lincei in Rom - bedeutender Kunstsammler und Mäzen (Sammlung Mond, heute im British Museum).

Gustav Wilhelm Mutzenbecher - Minister des Großherzogtums Oldenburg
* Oldenburg i. O. 19.6.1832 - † Ebd. 5.1.1878

Gymnasium in Oldenburg, 1850-53 stud. jur. in Heidelberg, Berlin und Göttingen - trat in den oldenburgischen Staatsdienst und wurde 1854 Auditor bei der Ministerialkanzlei in Oldenburg, später bei den Ämtern Abbehausen und Eutin, März 1858 zweites Ex-amen, danach geschäftsführender Syndikus der Stadt Oldenburg, 1859 Wechsel in den Justizdiemst, Assessor am Obergericht in Oldenburg, 1861 geschäftsführender Staatsanwalt am Obergericht in Varel, 1867 wieder dem Obergericht in Oldenburg zugeteilt, Frühjahr 1868 Vertreter des Oberstaatsanwalts, 1870 Appellationsgerichtsrat am Ober-appellationsgericht, 1868-72 Mitglied der Ablösungsbehörde, 1872-74 Mitglied des Evangelischen Oberschulkollegiums, leitete im Herbst 1873 als Präsident die Ev. Landessynode, 14.7.1874 unter der Regierung seines Schwagers Karl v. Berg (1810-94) ins Staatsministerium berufen, nach dessen Rücktritt in der Regierung seines Schwagers Friedrich Andreas Ruhstrat (1818-96) - Geh. Staatsrat und Vorstand der Departements für Justiz und für Kirchen und Schulen, zuständig auch für Militärangelegenheiten (bis 1878), bevollmächtigtes Mitglied des deutschen Bundesrates.

Paul Nethe - K.gl Preußischer General der Infanterie
* Burg b. Magdeburg 11.11.1849 - † Werningerode 20.7.1926

stud. jur. in Heidelberg - Einjährig-Freiwilliger beim Inf.-Rgt. 56 in Göttingen, Teil-nahme am Feldzug 1870/71 (Schlachten von Metz, Beaume la Rolande, Vandôme und la Maas), blieb nach Friedensschluß aktiver Offizier, Oberleutnant im Großen Generalstab, 1900 Kommandeur des Inf.-Rgts. 174 in Metz, später Generalleutnant, 1901 Kommandeur der 59. Inf.-Brigade in Mülhausen i. E., 1904 verabschiedet, Übersied-lung nach Berlin, im Ersten Weltkrieg reaktiviert und zunächst im Großen Hauptquar-ier in Charleville, dann bei der Etappeninspektion in Oppeln, zuletzt Divisionsführer der Division Graf Bredow, charakt. General der Infanterie, Exzellenz.

Alexander v. Peez - dt.-österr. Publizist, Politiker u. Industrieller
* Wiesbaden 19.1.1825 - † Weidling/Niederösterreich 12.1.1912

besuchte das Gymnasium in Aschaffenburg und in Wiesbaden, stud. jur. in Heidelberg, Göttingen, München und Prag, Promotion zum Dr. jur. in Göttingen. - war ab 1857 in Frankfurt am Main tätig, dann Redakteur bei der Reichenberger Zeitung in Reichen-berg/Böhmen, ab 1864 in Wien, u.a. als Generalsekretär des Verbandes der Industriel-len, amtlicher Berichterstatter bei den Weltausstellungen in Paris (1867) und Wien (1873), 1874 Mitbegründer des Verbandes der Montan-Eisen- und Maschinenindustrie in Österreich, 1875 Sekretär des Industriellen Clubs (1891-99 u. 1904/05 dessen Präsi-dent), 1876-85 Mitglied des Österr. Abgeordnetenhauses für die Reichenberger Han-delskammer. 1886 erfolgte die Errichtung einer Cellulosefabrik auf dem Familiengut in Weißenbach an der Enns, 1890-95 Mitglied des Reichsrates für die Leobener Handelskammer (Vereinigte deutsche Linke), 1902 lebenslängliches Mitglied des Österr. Herrenhauses (Verfassungspartei), Vizepräsident der Gesellschaft Österr. Volkswirte, Kurator des K.K. Österr. Handelsmuseums, Mitglied des Staatseisenbahnrates, Begründer des Wiener Volksbildungsvereins, „machte sich verdient um die Begründung der Post-sparkasse, der Zentralbank der deutschen Sparkassen, den Ausbau des böhmischen Ei-senbahnnetztes und um die Sanierung der Ersten Donaudampfschiffahrtsgesellschaft" (ÖBL) und regte 1903 den Bau des Hauses der Industrie in Wien (Schwarzenbergplatz) an. - 1889 erbl. Adel - 1910 Dr. h.c. der Universität Berlin.
Eigene Veröffentlichungen: u.a. Österreich und der Orient (1875); Der wirthschaftliche Wert der Bin-nenwasserstraßen (1880); Die amerikanisch Konkurrenz (1881); Die Ernährungswesie der österreichi-schen Arbeiter (1886); Zur Geschichte der Cellulose-Fabrication 1848-1888 (1888); Die Aufgaben der Deutschen in Österreich (1905); Die gelbe Gefahr in der Geschichte Europas (1908); England und der Kontinent (1909/10); Erlebt und erwandert (1914), Europa aus der Vogelschau (1916).

Martin Joseph Reichard - Revolutionär, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, Präsident und Kriegsminister der Provisorischen Regierung der Pfalz
* Untergrehweiler 23.9.1803 - † Philadelphia 14.5.1872

Gymnasium in Speyer, stud. jur. in Heidelberg, Würzburg, Erlangen, Dijon und Paris - 1826 Anwalt in der Kanzlei des Frankenthaler Anwalts Georg Jakob Stockinger, 1831 Notar in Kusel, 1837 in Speyer (bis 1849) - Mitglied des Stadtrates in Speyer, wurde am 30.4.1848 für den Wahlkreis Kirchheimbolanden in die Nationalversammlung gewählt, wo er dem „Club Donnersberg" angehörte, der zur äußersten Linken zählte. R. war einer der maßgeblichen Betreiber des pfälzischen Aufstandes und wurde im Mai 1849 in den „Landesausschuß zur Verteidigung und Durchführung der Reichsverfassung", 17.5.1849 zum Präsidenten und Kriegsminister der Provisorischen Regierung der Pfalz gewählt - nach der Niederschlagung des Aufstandes Flucht in die Schweiz und weiter in die Vereinigten Staaten; er ließ sich in Philadelphia als Notar, zeitweise auch Hotelbesitzer, nieder und erlangte die amerikanische Staatsbürgerschaft, war zuletzt Farmer in Wilkesbarre (Penn.) - Mitglied des Komitees zur Gründung eines deutschen Hospitals in Philadelphia, Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Gesellschaft in Philadelphia, Mitglied des Deutschen Vereins zur Unterstützung notleidender Emigranten.

Hans Reschke - Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Mannheim, Ehrenmitglied des Deutschen Städtetages * Posen 22.3.1904 - † Mannheim 17.10.1995

stud. jur. in Berlin und Heidelberg, 1926 Referendarexamen am Kammergericht in Ber-lin, 1927 Promotion zum Dr. jur. (Heidelberg) - Regierungsreferendar in Schleswig und Köln, ab 1929 Regierungsassessor bei den Kreisverwaltungen Herford, Suhlingen (Hannover) und Wandsbeck, dann zeitweise zur Preuß. Staatsbank beurlaubt; 1934-1939 Landrat in Höxter, 1939-1945 Recklinghausen - Nach dem Krieg war R. ab 1947 in einem Sonderauftrag für das Evang. Hilfswerk tätig, dann ab 1949 Leiter des Instituts zur Förderung öffentlicher Angelegenheiten in Frankfurt am Main, 1951 Geschäftsfüh-rer der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar in Mannheim und ab 1954 Ge-schäftsführer der IHK Mannheim. 1955 Kandidat für den Mannheimer Wählerblock (CDU, FDP, BHE, DP) bei den Oberbürgermeisterwahlen in Mannheim an, 10.12.1956 als Oberbürgermeister bestätigt. Geprägt von den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders fielen in seine Amtszeit u.a. die Neueröffnung des Nationaltheaters und der Ausbau der Universität. - R. war Vorsitzender des Baden-Württembergischen Städtetages, Mitglied des Präsidiums und stellv. Präsident (sp. auch Ehrenmitglied) des Deutschen Städtetages, in dem er auch dem Haupt-, Rechts- und Verfassungsausschuß angehörte - Senator der Max-Planck-Gesellschaft, Vorsitzender des Kommission für die Reform der Staatsverwaltung in Baden-Württemberg und Mitglied der Sachverstän-digenkommission für die Neugliederung des Bundesgebietes beim Ministerium des Innern - Vorstandsmitglied des Vereins für kommunale Wirtschaft und Kommunalpolitik ud des Bundes Deutscher Verkehrsverbände e.V.; stellv. Vorsitzender des Landeswohlfahrtsverbandes Baden, stellv. Vorsitzender des Deutschen Verbandes für öffentliche und private Fürsorge e.V, stellv. Vorsitzender des Badischen Sparkassen- und Girover-bandes - Vizepräsident der deutschen Sektion des Internantionalen Instituts für Verwaltungswissenschaften und der Sektion des Rates der Gemeinden Europas; Mitglied des Verwaltungsrates der Int. Bürgermeister Union - 1974 Vizepräsident der Humboldtgesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.

Hans Walter Schmidt-Polex - Industrieller, Ehrenbürger und Ehrensenator der Universität Frankfurt a. M. * Frankfurt a. M. 2.10.1900 - † München 8.3.1978

stud. jur. in Heidelberg, Dr. jur., Gerichtsassessor, 1930 in die Allianz-Versicherungs-AG einge-treten, Direktor und Vorstandsmitglied derselben in München, daneben stellv. Generaldirektor der Bayerischen Versicherungsbank AG, 1959 Generaldirektor bei der Europäischen Güter- und Rei-segepäckversicherungs-AG in München - Vorstandsvorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, 1953 Ehrenbürger der Uni-versität Frankfurt, 1957 Ehrensenator, setzte sich u.a. für die Wiederaufnahme der Verleihung des Paul-Ehrlich-Preises ein.

Heinrich Schnee - Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, liberaler Politiker
* Neuhaldensleben 4.2.1871 - † Berlin 23.6.1949

Gymnasium in Nordhausen, stud. jur. in Heidelberg, Kiel und Berlin - 1892 Referendar, 1893 Dr. jur., 1897 Regierungsassessor im Auswärtigen Amt, 1898 Kais. Richter in Herbersthö-he/Bismarckarchipel, 1900 Bezirksamtmammn und Vizegouverneur in Samoa, 1904 Legati-onsrat in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, 1905 Kolonialbeirat der Botschaft in London, 1906 Wirklicher Legations- und Vortragender Rat in der Kolonialabteilung, 1907 Ministerialdirigent, 1909 Geh. Oberregierungsrat, 1911 Ministerialdirektor im Reichskolonia-lamt, 1912-1919 Gouverneur von Deutsch-Ostafrika - Nach dem Ersten Weltkrieg Präsident des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände, 1926-33 Präsident des Bundes der Auslands-deutschen, Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und des Reichskolonialbundes (bis 1936), nahm 1932 als Kommissionsmitglied an der Fahrt der Mandschurei-Kommission des Völkerbundes nach China und Japan teil (sog. Lytton-Kommission), 1933 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht und Völkerbundfragen und der Deutschen Weltwirt-schaftlichen Gesellschaft - 1924-1932 und 1933-1945 Mitglied des Reichstages, wurde Ende 1932 nach dem Sturz des Kabinetts v. Papen von der Presse als möglicher Reichskanzler gehandelt - 1919 Goldene Leibniz-Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften, 1925 Senator der Deutschen Akademie in München, Dr. rer. pol. h.c. der Universität Hamburg - Sch. war nach dem Ersten Weltkrieg unbestrittener Wortführer des deutschen Kolonialrevisionismus, überwarf sich aber nach 1936 mit dem NS-Staat und trat von fast allen öffentlichen Ämtern zurück.
Eigene Veröffentlichungen: Bilder aus der Südsee (1904); Unsere Kolonien (1908); Deutsch-Ostafrika im Welt-kriege. Wie wir lebten und kämpften (1919); Das Deutsche Koloniallexikon (Hrsg., 3 Bde., 1921); Die koloniale Schuldlüge (1928); Völker und Mächte im Fernen Osten (1934); Die deutschen Kolonien vor in und nach dem Weltkrieg (1935); Deutschlands koloniale Forderung (1937).

Fritz Schultz-Merzdorf - Schriftsteller
* Merzdorf, Mark 7.6.1890 - † Oldenburg i. O. 10.9.1956

Gymnasium in Frankfurt (Oder), stud. jur. in Heidelberg, München und Greifwald - Dr. jur., Gerichtsreferendar, dann stud. agr. in Berlin, Rittergutsbesitzer in Merzdorf mit Schwerpunkt Merinoschafzucht (erhielt dreimal den Wanderpreis des Reichsernährungsministeriums für die beste deutsche Schafhochzucht), war Mitglied der Landwirtschaftskammern von Bran-denburg und Berlin. Auf Grund der Roggenbelastung in der Inflation 1930 gab sein Rittergut auf siedelte nach Berlin über und wurde Vorsitzender der „Reichsarbeitsgemeinschaft Deut-scher Roggenschuldner", die die Interessen von rund 10.000 Gutsbesitzern und Bauern ver-trat. Zwischen 1922 und 1950 veröffentlichte er fünf historische Romane.
Werke: Swebyssen. Roman aus der Grenzmark (Berlin 1922); Das Opfer der Marquise. Ro-man aus dem alten Preußen (Berlin 1925); Montur und Burschenhut. Roman aus dem alten Preußen (Berlin 1928), Die deutsche Merino-Stammschäferei (Hannover 1931); Die Brüder Petersdorf. Ein historischer Roman aus dem dreissigjährigen Kriege (Essen 1948); Die Pferde des Grafen Anton Günther. Ein Roman um Pferde und Frauen (Oldenburg i.O. 1950); Frank-furt an der Oder. Die Geschichte einer ostdeutschen Handels-, Universitäts- und Garnison-stadt (Oldenburg i.O. 1953)

Wilhelm Spiritus - Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Bonn
* Köln 24.2.1854 -†  Bonn 27.12.1931

stud. jur. in Heidelberg, 1891-1919 Oberbürgermeister von Bonn, seit 1892 lebenslängliches Mitglied des preußischen Herrenhauses - 1.7.1920 Ehrenbürger von Bonn, „Spiritus-Ufer" in Bonn.

Max Wirth - Schriftsteller, Wirtschaftsjournalist und Nationalökonom
* Breslau 27.1.1822 - † Wien 18.7.1900

1839-43 stud. jur. und rer. pol. in Heidelberg - 1852-62 als Publizist in Dortmund, Wiesbaden und Frankfurt a. M., 1865-72 Direktor des Eidgenössischen Statistischen Büros in Bern, 1873 Mitbegründer der Schlesischen Presse in Breslau, ab 1874 in Wien, Redakteur des volkswirtschaftlichen Teils der Neuen Freien Presse - eigene Veröffentlichungen: u.a. Grundzüge der Nationalökonomie (4 Bände, 1856-73, mehre-re Auflagen); Die Hebung der arbeitenden Klassen durch Genossenschaften und Volksbanken (1865); Die soziale Frage (1872); Geschichte der Handelskrisesn im Jahr 1973 (1874); Die Krise in der Landwirtschaft und Mittel zur Abhilfe (1881); Das Geld. Geschichte der Umlaufmittel von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart (1884); Ungarn und seine Bodenschätze (1885) - als Herausgeber: Der Arbeitgeber. Archiv für die gesamte Volkswirtschaft (1856-78); Allgemeine Beschreibung und Statistik der Schweiz (3 Bde., 1870-75); Für Haus und Wirtschaft (6 Jahrgänge, 1867-72) u.a.m.

 

 


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